Lösungen

stationssekretariat

Doch, man kann was tun! Denn oft braucht es wenig, um viel zu verbessern. Drei Spitäler zeigen, wie sie bei der Bürokratie Zeit zugunsten der Medizin zurückgewinnen. Der VSAO setzt sich dafür ein, dass diese und andere Beispiele Schule machen. 

Durch die Kampagne entstand Anfang 2018 eine Arbeitsgruppe zum Thema «Medizin statt Bürokratie!». Das reorganisierte Sekretariat der Abteilung Innere Medizin übernimmt nun versuchsweise zusätzliche Aufgaben. Etwa beim Diktieren: Die Mitarbeiterin prüft die auf Band gesprochenen Krankenberichte. Bei Bedarf ruft sie die Hausärztin der Patienten an, um Zusatzinformationen einzuholen. So werden den jungen Ärzten Bürden abgenommen - und für das Team im Sekretariat die Aufgaben interessanter.

«Reduce to the max» heisst eine Arbeitsgruppe in der Medizinischen Klinik. Sie holt über die Assistenzärzte Verbesserungsvorschläge ein und klärt ab, ob sich diese realisieren lassen. Umgesetzte Massnahmen werden überprüft. Eine bereits bewährte Neuerung: Die Assistenzärztin kann sich von extern angeforderte Unterlagen per E-Mail ins Sekretariat übermitteln lassen. Dort werden sie direkt ins Informationssystem der Klinik eingespeist - der Umweg zuerst über die Ärztin entfällt.

Zudem gibt es für die Patientenbetreuung spezielle Coaches: diplomierte Pflegefachfrauen, welche die Entlassung planen, Gespräche koordinieren und den Informationsfluss gewährleisten. Die Coaches sind mit den Assistenzärztinnen auf der Abteilung. Dadurch besteht ein enger Kontakt und Austausch, auch bei der Chefarztvisite und Entscheiden. Im Weiteren finden Qualitätszirkel statt, um Projekte interdisziplinär zu bearbeiten und sie allen Mitarbeitenden vorzustellen. Zu nennen ist etwa die Vereinfachung von Rezepten und das Erfassen der Medikamente beim Spitaleintritt.  

In Graubünden hat man die Durchlaufzeiten bei der Erstellung der Berichte in der Chirurgie, Gynäkologie und Geburtshilfe untersuchen lassen. Ergebnis: Bis zur Freigabe eines Austrittsberichts dauerte es 13,5 Tage - für das Verfassen dagegen genügten 40 Minuten. Bei der Analyse durch die Firma Leancom GmbH stachen die vielen Schnittstellen, Rückfragen sowie Genehmigungs-, Prüf- und Nacharbeitsschleifen ins Auge.

Deshalb wurden die Wege visualisiert, Informationsflüsse aufgezeichnet, Bestände gezählt und das Geschehen beobachtet. Die Lösung war dann weder ein IT-Projekt noch ein neues System. Viel simpler: Es gab neue respektive digitalisierte Diktaphone, und die Mitarbeitenden nutzen die Infrastruktur effizienter und sinnvoller. Zusätzlich profitieren sie von einfacheren Abläufen und weniger Schnittstellen.

  • Inselspital Bern, Allgemeine Innere Medizin: Care-Koordinatorinnen sind mit am Patientenbett, begleiten die Visite und nehmen Aufträge direkt von den Ärzten entgegen.
  • Inselspital Bern, Notfallzentrum (Pilotprojekt): Scribe Nurses sind den Assistenzärztinnen zugeteilt, gehen mit dem Laptop zu jedem Patienten, schreiben die Anamnese und den Status und erledigen weitere Büroarbeiten.
  • Universitätsspitäler Genf (HUG), Neurochirurgie/Innere Medizin (Pilotprojekt): walkerproject - je kürzer die Wege, desto mehr Zeit für die medizinische Betreuung (auf Französisch).
  • Universitätsspitäler Genf (HUG), Pädiatrie: digitales Diktieren/Stimmerkennung.
  • Spital Zollikerberg: Interprofessionelle Anamnese – Ärzte und Pflegepersonal nutzen eine gemeinsame Plattform für die Patientendaten. Dies erspart mehrfache Abklärungen und verhindert Wissenslücken.

Weniger administrative Arbeit - okay, aber wie? Auch die Broschüre zur Kampagne «Medizin statt Bürokratie!» macht Vorschläge, wo sich der Hebel ansetzen lässt. Sie kann kostenlos beim Zentralsekretariat des VSAO bestellt werden.